Kirwapaar


Wo aber liegt des Lebens Beglückung - ist sie nur Trug, oder Täuschung bloß - wo ist sie zu finden, wo, in allem Elend, das täglich in wunde Seelen sich schraubt, ihnen mehr herbes Weh einätzt, immer mehr, aus aller Welt, das ihnen bittere Schmach einflößt, deren Jugend dieser allzu zart, allzu fein, allzu weich jener entblößt dargegeben liegt, die, unschuldig geboren, in fahler Wirrsal grauen, spitzen Dornen sich windet, welche scharf ihnen Bitternis einimpfen wollen, welcher die Menschheit gewiß nicht ermangelt, die sie und jeden einzelnen ertränken möchte und Schönem den Atem raubt, Gutes zertritt, Wahres verhöhnt.

Wie lechzen junge Seelen, deren klare Haut sie fruchtig, prall, anmutig und sanft, hauchend umspannt, seidig hüllt, unvernarbt, noch nicht ledrig, hornig deckt, sondern sanft begürtet, nach ätherischem Säuseln, das rauschig sie durchglüht und flammend zuckt in ihren Adern; wie schnauben sie nacheinander, ineinander Schönheit zu tasten, sprudelndes Lachen einzusaugen, im Aug das Auge sehen, eigenes, anderes, im Leben Leben berührend fühlen, das Leben selber sucht, zu spüren, taumelnd in brausendem Schellen zu schwelgen, in wirbelndem Rasen, in heißer Körperlichkeit seelisch Leib um Leib sich ringend, getaucht - von wolkendem Klingen umregnet - in sonnenfunkelndes Wiegen, in tönendes Springen, in hell plätscherndes Kreiseln, Mensch um Mensch, Leben an Leben: Dies glückt in ihnen, die sich ferne winden dieser Heillosigkeit des Daseins, diese Geworfenheit nicht fliehend, noch ihr verzagend sich liefernd, noch in süchtige Verkennung, in manische Verblendung sich raffend.

Sie geben sich dem Guten, indem sie es einladen, indem sie sich ihm öffnen und preisgeben mit lächelnden Lippen, hin, das Gute im Anderen erblickend, welches oft vergraben unter schwieligen Zügen aus noch furchtsamem Antlitz verstohlen zerbrechlich hervorglimmt, das Gute, das im Gutsein sich erweist. Hierin und hieraus glänzt fühlendes Leben, in tanzendem Strudel um Leben sich ringend, durchtränkt, genährt von klingendem Wogen, gefeuert aus schellendem wallendem Takte.

Und Hände fingern nach Leibe und fassen atmendes Fleisch, rühren an schwadende Schultern, greifen nach pulsendem Leben; und Leben und Leben entgleitet in wirbelndem Sange, wälzet sich luftig dahin, es flattern die Sinne empor geflügelter Beine und schweben erleichtert von pressender prasselnder Sorge in wehender Blüte erduftend und wahrhaft empor.

Und drückende Bürde verdrießlich und trübe verwehet in zauberndem Glanze, welcher das Leben und Leben vereint in innigem Greifen, welches vor Ungemach schirmt die lächelnden Seelen; sie nur begehren das Glück, die Wonne, das Leben, kosten die Süßigkeit wohl und schmähen doch galliges Schwarz, welches in bitteren Tropfen erregnet dem lechzenden Boden zu oft; doch Leben und Leben erfassen einander, schützen sich aber vor peitschendem Schlund, der gierig und maßlos das Lachen verzehrt, entreißet den freudigen Mündern in gähnenden Rachen, welcher doch hungrig sich bäumt.

Doch lächelt das Mündlein dem freundlichen Auge, so schenket dies spiegelnd nur jenes zurück uns stärkt es dem Leben, daß es verloren nicht mehr in schlammigem Ödland versinkt.